Diagnose von Leberkrankheiten

Grundsätzliches:

Lebererkrankungen sollten in jedem Fall ernst genommen werden, da eine Störung schwere Rückwirkungen auf den gesamten Organismus haben kann.
Viele Lebererkrankungen werden erst spät erkannt. Tückisch an Lebererkrankungen ist, dass die Leber kein Schmerzempfinden hat und keine Warnzeichen aussendet. Mögliche Beschwerden sind eher unspezifisch. So bleibt es häufig bei der Einstufung als Alltagsbeschwerden wie z.B. "Stress" oder "chronische Erschöpfung".
Folgende Symptome können einen ersten Hinweis auf eine Erkrankung der Leber oder Galle liefern:

- ständige Müdigkeit
- Konzentrationsstörungen
- Druckgefühl im rechten Oberbauch
- Juckreiz
- lehmfarbener Stuhl und bierbrauner Urin
- Appetitverlust
- Ekel gegen bestimmte Speisen, v.a. Fleisch
- Gewichtsveränderungen
- Übelkeit und Erbrechen
- Blähbauch
- Nasenbluten und Blutergüsse
- Gelbfärbung der Haut oder Augen
- häufige Muskel- und Gelenkschmerzen
- Verminderung der Körperbehaarung im Brust- oder Bauchbereich bei Männern

Wenn Ihnen solche Anzeichen bereits aufgefallen sind, empfiehlt sich hier u.a. eine vorsorgliche Untersuchung der Leberwerte Gamma-GT, GOT und GPT. Sind diese erhöht, sollte gezielt nach möglichen Erkrankungen oder Belastungen der Leber gesucht werden.


Verdacht auf Hepatitis B

Der wichtigste Wert ist das HBs-Antigen. Ist dieses positiv, hat man Hepatitis B. Weitere wichtige Werte bei der ersten Untersuchung sind anti-HBc-Antikörper und anti-HBs-Antikörper. Diese drei Werte können unterscheiden, ob eine Hepatitis B vorliegt, ausgeheilt ist oder ob man erfolgreich geimpft wurde.

Verdacht auf Hepatitis C

Bei Verdacht auf Hepatitis C wird zunächst ein einfacher Bluttest auf HCV-Antikörper gemacht. Ist dieser negativ, liegt wahrscheinlich keine Hepatitis C vor. Wenn der Antikörpertest positiv ist, wird anschließend ein PCR-Test gemacht, der nach dem Erbmaterial des Virus sucht (HCV-RNA). Ist die HCV-RNA positiv, hat man Hepatitis C.

Verdacht auf Alkoholkrankheit

Hier zählt die Gesamtschau der Befunde: Leberwerte, Befragung und Beobachtung des Patienten und ggf. Alkoholtest bei Verdacht auf kurz zurückliegenden Konsum. Gamma-GT und CDT-Werte allein können einen Alkoholkonsum weder beweisen noch widerlegen.

Verdacht auf NASH

Bei einer nicht alkoholischen Fettleberentzündung kommen mehrere Faktoren zusammen: Erhöhte Leberwerte, das Bild einer Fettleber im Ultraschall und verfettete bzw. entzündete Leberzellen, wenn man die Leber punktiert. Auch hier gehört zur Abgrenzung, dass Patienten nach ihrem Alkoholkonsum befragt werden, um eine nicht alkoholische NASH von einer alkoholischen Erkrankung zu unterscheiden.

Verdacht auf Eisenspeicherkrankheit

Zunächst sollten die Eisenwerte überprüft werden. Sind diese stark erhöht, sollte ein Gentest auf Hämochromatose gemacht werden.

Verdacht auf PBC

Bei PBC sind meist die AMA-Werte (antimitochondrialen Antikörper) im Blut erhöht. Dieses ist der stärkste Hinweis auf eine PBC. Oft sind auch die Gallengangswerte Gamma-GT und alkalische Phosphatase (AP) erhöht. Ergänzend kann eine Leberpunktion helfen, die Diagnose zu erhärten.

Verdacht auf PSC

Es gibt oft keine eindeutigen Blutwerte, mit denen allein man eine PSC feststellen könnte. Besonders wichtig ist es für die Diagnose, die Gallenwege innerhalb und außerhalb der Leber zu untersuchen. Ein Endoskop wird durch den Mund bis in den Dünndarm eingeführt. Von dort aus wird ein Röntgenkontrastmittel direkt in den Gallengang gespritzt, damit sich dieses besser darstellen lässt. Oft lassen sich PSC-typische Veränderungen dann schon mit einem Blick des Arztes erkennen.

Verdacht auf Autoimmunhepatitis

Die Diagnose der Autoimmunhepatitis besteht darin, zunächst andere Leberkrankheiten wie z.B. Virushepatitis auszuschließen. Es können bestimmte Autoantikörper (z.B. ANA, p-anca oder SMA) messbar sein, diese allein können aber eine Autoimmunhepatitis weder beweisen noch ausschließen. Wichtig ist eine Leberpunktion, weil sich hier oft sehr typische Zellveränderungen erkennen lassen.

Köln | 11/2013 | Redaktion Leberhilfe