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22.07.19

Pressemitteilung der Deutschen Leberhilfe e.V.: Am 28. Juli 2019 ist Welt-Hepatitis-Tag.

Hepatitis B: Tückisch, aber durch Impfung vermeidbar

Forschung sucht nach heilenden Therapien für chronisch Kranke

 

Köln, 22. Juli. Am besten ist es, wenn man über das Hepatitis-B-Virus gar nicht erst nachdenken muss: Eine Schutzimpfung kann die Infektion verhindern. Kompliziert wird es, wenn Menschen einmal angesteckt sind. Oft gibt es bei Hepatitis B zwar eine sogenannte „Spontanheilung“, die jedoch streng genommen keine vollständige Heilung ist. Noch gefährlicher sind chronische Verläufe, bei denen das Virus dauerhaft im Blut bleibt und die Leber über Jahre hinweg zerstören kann – und ohne Leber geht es nicht.

Übertragen wird das Hepatitis-B-Virus durch direkten Kontakt mit infiziertem Blut, Sperma, Scheiden­sekret und ggfls. Speichel. Neben Sexualverkehr und verunreinigten Spritzen beim intravenösen Drogenkonsum kann Hepatitis B auch durch unhygienisches Piercen oder Tätowieren übertragen werden. Blutprodukte sind seit Jahrzehnten keine Infektionsquelle mehr, da alle Blutspenden – neben anderen Erregern – auch auf Hepatitis B getestet werden.

 

Akute Hepatitis B

Eine Neuinfektion mit Hepatitis B wird im ersten halben Jahr noch als „akute“ Infektion bezeichnet, egal ob man sie spürt oder nicht. Sie verläuft meist ohne Beschwerden. Wenn Symptome auftreten, sind diese eher unspezifisch wie z.B. Fieber, Abgeschlagenheit, Erbrechen und Durchfall. Daher bleibt bleiben viele Hepatitis-B-Infektionen unbemerkt und Betroffene können unwissentlich andere anstecken.

Das Immunsystem zerstört infizierte Leberzellen, um die Infektion zu bekämpfen. In den ersten sechs Monaten kann dies noch zu einer „Spontanheilung“ führen, bei der das Virus aus dem Blut verschwindet und nur noch Antikörper als Immunreaktion übrigbleiben. Betroffene sind dann nicht mehr ansteckend, immun gegen eine Neuinfektion und haben nur ein sehr geringes Risiko für Leberschäden. Ganz vollständig ist diese „Heilung“ aber nicht: Das Hepatitis-B-Virus ist das einzige Hepatitisvirus, welches sein Erbmaterial lebenslang im Kern der Leberzellen hinterlässt. Wird das Immunsystem erheblich geschwächt (z.B. unter einer Chemotherapie oder durch Aids), kann deshalb eine „ausgeheilte“ Hepatitis-B-Infektion noch Jahrzehnte später wieder aktiv werden. Hepatitis-B-Reaktivierungen sind vermeidbar, aber gefürchtet: Werden sie zu spät entdeckt, können sie schwere Entzündungsschübe und sogar ein Leberversagen auslösen.

 

Chronische Hepatitis B

Ein noch häufigeres Problem sind chronische Verläufe. Besteht die Hepatitis-B-Infektion länger als ein halbes Jahr, ist sie chronisch und bleibt dann oft lebenslang. Chronische Verläufe betreffen etwa 5-10% der Erwachsenen, welche sich mit Hepatitis B infizieren. Bei Säuglingen, Kleinkindern und Immungeschwächten wird die Infektion noch viel häufiger chronisch.

Eine chronische Hepatitis B ist kompliziert. Die Infektion verändert sich im Laufe der Jahre immer wieder und kann mal mehr, mal weniger zu einer Leberentzündung führen. Auf Dauer kann die Leber vernarben und eine Leberzirrhose entstehen. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko bei chronischer Hepatitis B ist zudem, dass ein Leberzellkrebs entsteht.

Eine chronische Hepatitis B ist bisher nicht vollständig heilbar. Wann und wie sie behandelt wird, hängt deshalb vom Einzelfall ab. Milde Verläufe werden oft nur beobachtet; eine Therapie wird erst dann begonnen, wenn es Zeichen gibt, dass die Infektion die Leber schädigt. Häufig werden Tabletten als Dauertherapie eingesetzt, um das Virus in seiner Vermehrung zu unterdrücken. Manchmal wird auch eine einjährige Therapie mit Interferon-Spritzen durchgeführt, welche das Immunsystem anregt. Doch obwohl die Virusvermehrung oft erfolgreich unterdrückt wird, ist das Hepatitis-B-Virus meistens weiterhin im Blut messbar; im Kern der Leberzellen bleibt es ohnehin.

In Studien wird an neuartigen Arzneimitteln geforscht, welche das Hepatitis-B-Virus an neuen Stellen angreifen: Manche Verfahren verhindern die Neubildung von Viren, andere blockieren den Eintritt des Virus in die Leberzellen oder sperren dieses in einer bereits infizierten Zelle ein; weitere Verfahren sollen die Immunabwehr dazu bringen, wieder gezielt gegen die Infektion anzukämpfen. In einigen Jahren könnte es häufiger möglich werden, auch bei chronischen Hepatitis-B-Patienten das Virus zumindest aus dem Blut zu eliminieren. Dies wird als „funktionelle Heilung“ bezeichnet und ist ein ähnlicher Zustand wie nach einer „Spontanheilung“. Das Virus auch aus dem Kern der Leberzellen zu entfernen ist dagegen noch nicht möglich und hier steckt die Forschung noch in den Anfängen.

Daher ist es besser, es gar nicht erst zu einer Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus kommen zu lassen.

 

Impfung schützt vor Hepatitis B

Es gibt eine sichere Schutzimpfung gegen Hepatitis B. Seit 1995 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut, alle Säuglinge und Kleinkinder zu impfen, die besonders oft chronische Verläufe erleiden. Damit folgte Deutschland der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bis 1997 in allen Ländern die Hepatitis-B-Impfung in das Impfprogramm aufzunehmen. Die Schutzimpfung für alle Kinder wird mit vier Impfstoffdosen mit dem 6-fach-Kombinationsimpfstoff oder mit drei Impfstoffdosen mit dem Hepatitis-B-Einzelimpfstoff durchgeführt. Neugeborene von Hepatitis-B-infizierten Müttern werden sogar direkt nach der Entbindung aktiv und passiv gegen Hepatitis B geimpft.

Die STIKO empfiehlt auch Erwachsenen, sich impfen zu lassen, dazu gehören:

–          immungeschwächte Menschen z.B. mit einer HIV-Infektion,

–          Menschen mit Hepatitis-C-Infektion und Dialysepatienten.

–          Personen mit einem erhöhten nichtberuflichen Risiko, wie z.B. Kontakt zu an Hepatitis B erkrankten Personen in Familien oder Wohngemeinschaften, Sexualverhalten mit hohem Infektionsrisiko, i.v.-Drogenkonsumenten und Gefängnisinsassen.

–          Personal mit einem erhöhten beruflichen Risiko, einschließlich Auszubildende, Praktikanten, Studenten und ehrenamtlich Tätige mit Expositionsrisiko z.B. Personal in medizinischen Einrichtungen, Sanitäts- und Rettungsdienst, Ersthelfer, Polizisten und Personal in Gefängnissen und Asylbewerberheimen.

–          Reisende in Länder mit einem erhöhten Vorkommen von Hepatitis B und eher unhygienischen medizinischen Verhältnissen.

Die Erwachsenen erhalten innerhalb von sechs Monaten drei Impfstoffdosen.

 

Vorurteile gegen die Hepatitis-B-Impfung

Vorurteile führen immer wieder dazu, dass Menschen vor der HBV-Impfung zurück­schrecken – obwohl diese in der Regel sehr gut vertragen wird. Weit verbreitet ist der Irrtum, dass eine Impfung angeblich zu einer „abgeschwächten Infektion“ führe: Dem ist nicht so. Es werden keine funktionstüchtigen Viren geimpft, sondern leere Virushüllen, die eine Immunität auslösen.

Ebenso falsch ist die Annahme, dass eine durchgemachte Infektion „gesünder“ sei als sich dagegen impfen zu lassen. Die Infektion mit einem echten Hepatitis-B-Virus kann zu akutem Leberversagen oder chronischen Verläufen führen und hinterlässt lebenslang Spuren in den Leberzellen; bei der Impfung besteht dieses Risiko nicht.

Die Frage, ob eine Hepatitis-B-Impfung den Ausbruch einer Multiplen Sklerose (MS) begünstigen könnte, wird aktuell verneint. Es gab Einzelfälle, in denen MS-Patienten in den ersten ein bis drei Jahren nach einer Impfung erstmals Symptome bemerkten, wobei hier jedoch ein zufälliges zeitliches Zusammen­treffen als wahrscheinlicher gilt. Große Metaanalysen in den vergangenen Jahren fanden keine Häufung von MS-Fällen bei Hepatitis-B-Geimpften. Die deutsche Hepatitis-B-Leitlinie betonte bereits 2011 die gute Verträglichkeit der Impfung und erklärte zur MS-Diskussion, es gebe „keine wissen­schaft­lichen Fakten, die einen solchen Zusammenhang beweisen.“

 

Vorkommen weltweit und in Deutschland

Die Hepatitis B ist weltweit einer der häufigsten Infektionskrankheiten. Die Weltgesund­heits­organisation (WHO) schätzt, dass insgesamt 257 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis B leben. Vor allem Afrika und die West-Pazifik-Region sind betroffen. In Deutschland leben nach Schätzungen der Bundesregierung 300.000 Menschen mit einer Hepatitis B, von denen aber die meisten nichts von der Infektion wissen.

 

Weltweit Hepatitis B eindämmen

Die WHO hat im Jahr 2016 beschlossen, Hepatitis B und C bis 2030 weltweit einzudämmen bzw. zu eliminieren. Damit das gelingt, ist neben der Prävention vor allem eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung und bei Hepatitis B zusätzlich eine Erhöhung der Impfraten nötig. Auch die deutsche Bundesregierung hat sich dem Kampf gegen Hepatitis angeschlossen: 2016 veröffentlichte sie ihre im Kabinett beschlossene Strategie „BIS-2030 – Bedarfsorientiert, Integriert, Sektorenübergreifend“, die wie die WHO bis 2030 Hepatitis B und C, aber auch HIV und andere Infektionskrankheiten erfolgreich bekämpfen will.

 

Welt-Hepatitis-Tag

Am 28. Juli 2019 ist Welt-Hepatitis-Tag, der wie im letzten Jahr unter dem Motto steht: „Hepatitis: Findet die fehlenden Millionen!“ Im Hauptfokus des Aktionstages stehen die chronische Hepatitis B und C. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass 325 Millionen Menschen weltweit entweder eine chronische Infektion mit Hepatitis B oder C haben. Hinzu kommen drei Millionen Menschen, die gleichzeitig an Hepatitis B und C leiden. Schätzungsweise 290 Millionen Menschen ahnen nichts von ihren Infektionen, die lange stumm verlaufen und unbehandelt zu tödlichen Spätfolgen führen können. Sowohl für Hepatitis B als auch für Hepatitis C gibt es jedoch wirksame Behandlungsmöglichkeiten: Chronische Hepatitis B ist kontrollierbar und Hepatitis C ist sogar heilbar. Umso wichtiger ist es, die unbekannt Infizierten rechtzeitig zu finden. Informationen zum Welt-Hepatitis-Tag finden Sie auf www.welthepatitistag.info und in englischer Sprache auf www.worldhepatitisday.org.

 

Wer ist die Deutsche Leberhilfe e.V.?

Die Deutsche Leberhilfe e.V. wurde vor 32 Jahren von engagierten Patienten gegründet. Der gemeinnützige Verein ist bundesweit tätig und hat sich als Informationsschnittstelle zwischen Ärzten und Leberpatienten etabliert. Die Leberhilfe verfolgt als Hauptziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, indem sie Patienten und ihre Angehörigen berät und Informationsschriften in verständlicher Sprache herausgibt. Ein weiteres Ziel des Vereins ist, die Bevölkerung u¨ber mögliche Ursachen, Verlauf, Therapie und Verhütung von Leberkrankheiten zu informieren. Langfristig soll dies dazu beitragen, Vorurteile zu entkräften und den schlechten Ruf der Lebererkrankungen als „selbstverschuldete” Krankheiten zu verbessern. In diesem Rahmen ist die Leberhilfe in Deutschland Ausrichter des Welt-Hepatitis-Tages.

Der Verein wird von einem ehrenamtlich tätigen Vorstand geleitet und hat in Köln seine Geschäftsstelle, die mit erfahrenen Mitarbeitern besetzt ist. Bei medizinischen Fragen wird die Leberhilfe von einem wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Dieser besteht aus namhaften Fachärzten und Wissenschaftlern, die die Richtigkeit, Aktualität und Seriosität der medizinischen Informationen gewährleisten.

 

Kontakt:

Deutsche Leberhilfe e.V.
Tel.: 0221/2829980
info@leberhilfe.org
www.leberhilfe.org

Informationen zum Welt-Hepatitis-Tag:
www.welthepatitistag.info und
www.worldhepatitisday.org

 

 Quellen:

  1. Robert-Koch-Institut. RKI-Ratgeber Hepatitis B. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisB.html, letzter Zugriff 19.7.2019.
  2. Empfehlungen der STIKO. Schutzimpfung gegen Hepatitis B. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/HepB/HepB.html; letzter Zugriff 19.7.2019.
  3. Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 2017/Nr. 35
  4. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Global Hepatitis Report 2017; http://www.who.int/hepatitis/publications/global-hepatitis-report2017/en/. Letzter Zugriff 12.7.2019
  5. Bundesministerium fu¨r Gesundheit: BIS 2030 – Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell u¨bertragbaren Infektionen. Stand: 12. April 2016. https://www.bundesregierung.de/Content/Infomaterial/BMG/_2851.html; letzter Zugriff 19.07.2019.
  6. Sestili C et al.: HBV vaccine and risk of developing multiple sclerosis: a systematic review and meta-analysis. Hum Vaccin Immunother. 2018 Sep 27. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30260264. Letzter Zugriff 19.07.2019.
  7. Mouchet J et al.: Hepatitis B vaccination and the putative risk of central demyelinating diseases – A systematic review and meta-analysis. Vaccine. 2018 Mar 14;36(12):1548-1555. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29454521. Letzter Zugriff 19.07.2019.
  8. Cornberg M et al.: Aktualisierung der S3-Leitlinie zur Prophylaxe,Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. Z Gastroenterol 2011; 49: 871–930.  https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2016/11/Leitlinie_Hepatitis_B.pdf. Letzter Zugriff 19.07.2019.

 

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