Hepatitis B: Impfen ist einfach, die Infektion nicht.
Pressemeldung der Deutschen Leberhilfe e.V. zum Welt-Hepatitis-Tag
Köln, 2. Juli 2026. Hepatitis B ist weltweit verbreitet, obwohl es seit Jahrzehnten eine sichere und wirksame Schutzimpfung gibt. Das Virus nistet sich in der Leber ein und führt zu einer akuten oder chronischen Leberentzündung. Nach aktuellen Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO lebten im Jahr 2024 schätzungsweise 240 Millionen Menschen mit chronischer Hepatitis B. Im gleichen Jahr starben 1,1 Millionen Menschen an den Folgen, meist an Leberzirrhose oder Leberkrebs.
Hepatitis B wird über Blut oder andere Körperflüssigkeiten übertragen, zum Beispiel beim Sex, bei der Geburt von der Mutter auf das Kind oder durch gemeinsam benutzte Spritzen und andere Utensilien beim Drogenkonsum. Auch Hygienemängel bei medizinischen Eingriffen, Tätowierungen oder Piercings können ein Risiko darstellen.
Eine Hepatitis-B-Impfung kann eine Ansteckung fast immer verhindern. Sie enthält keine ansteckenden Viren, sondern nur Bestandteile der Virushülle. Dadurch bildet das Immunsystem schützende Antikörper, welche den Organismus vor künftigen Infektionen schützt. Anders als bei einer echten Infektion bleibt dabei kein Erbmaterial des Virus in den Leberzellen zurück.
Eine Hepatitis-B-Infektion „auf natürlichem Weg durchzumachen“ hat deutliche Nachteile gegenüber einer Impfung. Zwar „heilt“ die Infektion bei vielen Erwachsenen innerhalb der ersten sechs Monate aus. Diese Heilung ist jedoch bei Hepatitis B nicht vollständig. Das Virus hinterlässt seine DNA in der Leber und kann bei schwerer Immunschwäche später wieder aktiv werden.
Zudem kann auch eine akute Hepatitis-B-Infektion in seltenen Fällen zu lebensbedrohlichen Situationen führen: Hierbei reagiert das Immunsystem so übermäßig stark, dass sehr viele infizierte Leberzellen gleichzeitig zerstört werden. Ein akutes Leberversagen kann die Folge sein.
Besonders problematisch sind chronische Verläufe. Bei Erwachsenen entwickeln etwa 5 % der Infizierten eine chronische Hepatitis B, bei infizierten Neugeborenen sind es rund 90 %. In vielen Fällen bleibt die Erkrankung unbemerkt und kann aber über Jahre hinweg zu Leberzirrhose und Leberzellkrebs führen.
Chronische Hepatitis B ist behandelbar. Medikamente können das Virus meist stark unterdrücken, Leberschäden verhindern und die Ansteckungsgefahr deutlich senken. Eine Heilung ist jedoch meist nicht möglich – und selbst dann nur eine sogenannte „funktionelle Heilung“. Dabei verschwindet das Virus wie bei der Spontanheilung dauerhaft aus dem Blut, hinterlässt aber auch hier sein Erbmaterial in den Leberzellen. Die Forschung arbeitet an neuen Therapien, um mehr funktionelle Heilungen zu erreichen. In Studien sieht man erste Erfolge – bisher aber nur bei sorgfältig ausgewählten Patienten, die schon gut vorbehandelt sind und deren Virus kaum noch messbar ist. Daher bleibt nach wie vor die Impfung der beste Schutz.
Wer nicht geimpft ist und noch keine Hepatitis B hatte, sollte die Impfung nachholen. Sie schützt zugleich vor Hepatitis D, einem besonders gefährlichen Virus, das nur gemeinsam mit Hepatitis B auftreten kann. Auch ein Test ist sinnvoll, denn Hepatitis B ist gut behandelbar und Hepatitis C sogar fast immer heilbar: In Deutschland können sich Krankenversicherte ab 35 Jahren in der Hausarztpraxis einmalig kostenfrei auf Hepatitis B und C untersuchen lassen. Der Test ist Teil der sogenannten „Gesundheitsuntersuchung“, die früher als „Check-up 35“ bezeichnet wurde.
Was ist der Welt-Hepatitis-Tag?
Der Welt-Hepatitis-Tag findet jährlich am 28. Juli statt und klärt die Öffentlichkeit über Prävention, Diagnose und Behandlung von Virushepatitis auf. Seit 2010 ist der Awarenesstag ein offizieller Gesundheitstag der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die World Hepatitis Alliance organisiert den globalen Welt-Hepatitis-Tag, in Deutschland ist die Deutsche Leberhilfe e.V. der Ausrichter. Laut aktuellen WHO-Schätzungen im Global Hepatitis Report 2026 lebten im Jahr 2024 weltweit 240 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis-B-Infektion, davon 12 Millionen mit einer Koinfektion von Hepatitis B und D. 47 Millionen lebten mit einer chronischen Hepatitis-C-Infektion. 1,3 Millionen Menschen verstarben an den Folgen einer meist chronischen Virushepatitis. Das Motto des Welt-Hepatitis-Tages lautet in Deutschland wie im Vorjahr „Lass uns Klartext reden“ – angelehnt an das internationale Motto „Let’s break it down“. Über die Ansteckung und Behandlung von Hepatitisviren kursieren viele Irrtümer. Dies kann zu Stigmatisierung von Betroffenen führen und dazu, dass diese sich nicht rechtzeitig um eine Diagnose bzw. Behandlung bemühen. Hepatitis-Infektionen sind heute gut behandelbar, führen aber lange zu keinen eindeutigen Symptomen und werden oft erst spät erkannt. Unbehandelt können chronische Hepatitisinfektionen zu Zirrhose und Leberkrebs führen. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung können dieses Risiko senken und zudem verhindern, dass andere Personen sich anstecken. Krankenversicherte ab 35 Jahren haben die Möglichkeit, sich in Deutschland einmalig kostenfrei auf Hepatitis B und C untersuchen zu lassen. Der Test wird darüber hinaus auch bei Risikofaktoren empfohlen und meist erstattet, wie z.B. bei erhöhten Leberwerten.
Wer ist die Deutsche Leberhilfe e.V.?
Die Deutsche Leberhilfe e.V. wurde 1987 von engagierten Patienten gegründet. Der gemeinnützige Verein ist bundesweit tätig und hat sich als Informationsschnittstelle zwischen Ärzten und Leberpatienten etabliert. Die Leberhilfe verfolgt als Hauptziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, indem sie Patienten und ihre Angehörigen berät und Informationsschriften in verständlicher Sprache herausgibt. Ein weiteres Ziel des Vereins ist, die Bevölkerung über mögliche Ursachen, Verlauf, Therapie und Verhütung von Leberkrankheiten zu informieren. Langfristig soll dies dazu beitragen, Vorurteile zu entkräften und den schlechten Ruf der Lebererkrankungen als „selbstverschuldete” Krankheiten zu verbessern. In diesem Rahmen ist die Leberhilfe in Deutschland Ausrichter des Welt-Hepatitis-Tages. Der Verein wird von einem ehrenamtlichen Vorstand geleitet und hat in Köln seine Geschäftsstelle, die mit erfahrenen Mitarbeitern besetzt ist. Bei medizinischen Fragen wird die Leberhilfe von einem wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Dieser besteht aus namhaften Fachärzten und Wissenschaftlern, die die Richtigkeit, Aktualität und Seriosität der medizinischen Informationen gewährleisten.
Informationen zum Welt-Hepatitis-Tag:
Deutsche Webseite: www.welthepatitistag.info
Flyer zu Hepatitis A bis E: www.welthepatitistag.info/download.html
Internationale Webseite: www.worldhepatitisday.org/
WHO Global Hepatitis Report (2026): https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/6f6caedc-37a0-49ee-a02a-df9c3b78ff42/content
Kontakt:
Deutsche Leberhilfe e.V.
Krieler Str. 100 – 50935 Köln
www.leberhilfe.org
info@leberhilfe.org
Tel.: 0221/2829980