Zurück
17.07.25

„Lass uns Klartext reden.“ Hepatitis C ist einfach heilbar – wenn man sie entdeckt

Pressemeldung der Deutschen Leberhilfe e.V. zum Welt-Hepatitis-Tag

Köln, 17. Juli 2025 – Am 28. Juli findet der Welt-Hepatitis-Tag statt, in Deutschland unter dem Motto „Lass uns Klartext reden.“ Dieses Motto ist an das internationale Thema „Let’s break it down“ angelehnt und ruft dazu auf, sich über Hepatitisviren besser zu informieren.

Um kaum ein Hepatitisvirus ranken sich so viele Mythen wie um das Hepatitis-C-Virus (HCV) – sowohl zu den Ansteckungswegen als auch zur Behandelbarkeit. Hierfür gibt es viele Gründe. Als das Virus Ende der 1980er-Jahre entdeckt wurde, untersuchte man meist nur schwer Leberkranke auf die Infektion. Dass eine Hepatitis-C-Infektion mitunter Jahre oder Jahrzehnte im Körper schlummern kann, bis sich Gesundheitsschäden zeigen, wusste man damals noch nicht. Entsprechend düster war das Bild des Virus in den frühen 1990er-Jahren. Wie bei allen neu entdeckten Erregern war auch bei Hepatitis C zunächst wenig über die Ansteckungswege bekannt. Erfahrung hatte man damals vor allem mit Hepatitis-A- oder Hepatitis-B-Infektionen, welche – wie wir heute wissen – jedoch ansteckender sind als Hepatitis C und z.T. auch anders übertragen werden. Erste Behandlungsversuche der Hepatitis C in den 1990er-Jahren waren nur begrenzt erfolgreich, was sich im Lauf der Jahre deutlich verbesserte.

 

Fakt 1: Hepatitis C ist fast immer heilbar

Über viele Jahre kursierte der Irrtum, Hepatitis C sei eine „unheilbare“ Erkrankung – was nie ganz stimmte. Heilungen der Hepatitis C gab es schon immer. Frühere Therapien hatten allerdings mehr Nebenwirkungen, dauerten länger und führten seltener zur Heilung als heute. Für viele Menschen war Hepatitis C damals eine langjährige, lebensüberschattende und leider z.T. auch lebensverkürzende Erkrankung.

Seit zehn bis elf Jahren ist es sehr einfach geworden, Hepatitis-C-Infektionen zu heilen. Seitdem stehen Therapien mit antiviralen Tabletten zur Verfügung, welche die Infektion oft schon in zwei bis drei Monaten dauerhaft ausheilen. Die Heilungsraten sind sehr hoch und es passiert nur noch selten, dass Tabletten nicht ausreichend wirken. Wenn Therapien nicht ansprechen, wurde oft einfach vergessen, die Tabletten einzunehmen. Selbst wenn die erste Therapie nicht anspricht, sind die Heilungschancen beim nächsten Versuch oft genauso gut. Die Kosten für Hepatitis-C-Medikamente sind hoch, allerdings werden diese für Krankenversicherte von den Gesundheitskassen erstattet.

Dass Hepatitis C so einfach heilbar geworden ist, hat erstaunliche Auswirkungen: So haben sich viele Hepatitis-C-Selbsthilfegruppen in Deutschland inzwischen aufgelöst, weil alle überlebenden Mitglieder inzwischen geheilt sind.

 

Fakt 2: Hepatitis C bekommt man nicht einfach so

Hepatitis C wird durch kontaminiertes Blut übertragen, welches in die Blutbahn oder Schleimhäute gerät. Bis 1991 waren Blutprodukte ein häufiger Übertragungsweg. Dieser ist dank rigoroser Testung von Blutspenden heute praktisch ausgeschaltet. Menschen in der Drogenszene sind sehr häufig betroffen, wenn diese Utensilien wie z.B. Kanülen, Röhrchen oder Spritzbesteck miteinander teilen. Eine sexuelle Übertragung ist seltener als bei Hepatitis B, das Risiko steigt aber bei harten Praktiken, Verletzungen und häufig wechselnden Partnern. Infizierte Schwangere können ihre Kinder in bis zu 5% der Fälle anstecken. Hygienemängel bei ärztlichen Eingriffen, Tätowierungen oder Piercings können ebenfalls zu Übertragungen führen.

In Alltagssituationen wird Hepatitis C dagegen fast nie übertragen: Es gibt keine Tröpfcheninfektion, wie z.B. bei Grippe. Ebenso harmlos sind Händeschütteln, Umarmen, Türklinken, Haltestangen in der Straßenbahn, Trinken aus dem gleichen Glas oder Flasche oder Benutzung der gleichen Toilette: Das Ansteckungsrisiko für Hepatitis C ist in all diesen Situationen gleich Null, weil es nicht zu Blut-zu-Blut-Kontakten kommt. Besonders besorgte Menschen fragen mitunter an, ob man sich vielleicht doch an unsichtbaren Blutresten infizieren könnte, wenn man selbst einen Mückenstich oder einen Riss in der Haut habe. In der Realität scheinen solche konstruierten Szenarien aber praktisch nie einzutreffen. Die Deutsche Leberhilfe hat in den vergangenen 25 Jahren unzählige solcher besorgten Anfragen erhalten. In keinem einzigen dieser Fälle wurde nachher eine Hepatitis-C-Infektion festgestellt.

Krankenversicherte ab 35 Jahren können sich aber auch ohne Verdacht einmal im Leben kostenfrei auf Hepatitis B und C testen lassen. Seit dem Oktober 2021 ist dies in hausärztlichen Praxen möglich – als Teil der „Gesundheitsuntersuchung“, die früher als „Check-up 35“ bezeichnet wurde. Grundsätzlich ist ein Test auf Hepatitisviren – nicht nur Hepatitis C – auch empfohlen, wenn Menschen erhöhte Leberwerte oder Risikofaktoren für Hepatitis C in ihrer Vergangenheit haben.

 

Fakt 3: Hepatitis C verläuft langsam, aber bleibt meist nicht stehen

Hepatitis C kann über Jahre oder sogar Jahrzehnte unbemerkt verlaufen. Eine kranke Leber schmerzt nicht, und wenn Symptome auftreten, sind diese oft unspezifisch wie z.B. Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gelenkbeschwerden oder ein Druckgefühl im rechten Oberbauch. Die Infektion wird deswegen häufig erst spät oder durch Zufall entdeckt. Einige Menschen haben daher schon einen schweren Leberschaden, wenn die Infektion erstmals diagnostiziert wird.

Der Verlauf sollte weder dramatisiert noch verharmlost werden. Eine Neudiagnose ist kein akuter Notfall: Es macht für die Leberschädigung meist keinen Unterschied, ob eine antivirale Therapie sofort oder einige Monate später begonnen wird. Gefährlich wird Hepatitis C aber, wenn sie erst spät entdeckt oder die Therapie über Jahre hinausgezögert wird. Im Endstadium kann eine Leberzirrhose entstehen, zudem steigt das Risiko für einen Lebertumor. Die lebenswichtigen Funktionen des Organs werden hier zunehmend eingeschränkt. Ohne Leber geht es nicht: Diese spielt eine Schlüsselrolle im Stoffwechsel, der Verdauung, Entgiftung, Hirnfunktion, Immunsystem und Blutgerinnung.

Mitunter hören Betroffene von Allgemeinmedizinern die Fehlinformation, das Hepatitis-C-Virus sei „verkapselt“ oder die Krankheit sei „nicht ausgebrochen“ – beides stimmt so nicht: Hepatitis C ist von Anfang an eine Erkrankung, auch wenn sie lange Zeit keine Beschwerden verursacht. Anders als bei HIV, wo man ab einem bestimmten Punkt von AIDS spricht, gibt es bei Hepatitis C keinen solchen Schwellenwert. Hepatitis C verläuft schleichend und kann unbehandelt zu schweren Leberschäden führen. Inzwischen ist bekannt, dass langjährige Hepatitis-C-Infektionen nicht immer nur die Leber schädigen, sondern auch weitere Erkrankungen begünstigen: So werden bei Hepatitis-C-Betroffenen häufiger auch Herz-Kreislauferkrankungen oder Nierenerkrankungen festgestellt.

Je früher eine Hepatitis-C-Infektion entdeckt und ausgeheilt wird, desto besser. Dies schützt nicht nur die Leber vor weiterer Schädigung, sondern senkt auch das Risiko anderer Erkrankungen. Zudem verhindert dies die Ansteckung anderer Menschen. Eine Hepatitis-C-Infektion auszuheilen, lohnt sich immer, selbst wenn die Leber schon schwer geschädigt ist. Wer allerdings schon eine Zirrhose hat, sollte trotzdem weiter regelmäßig beobachtet werden, selbst wenn das Virus ausgeheilt wurde: Eine Leberzirrhose erhöht das Risiko, dass ein Leberzellkrebs entsteht. Dieser ist besser behandelbar und z.T. sogar heilbar, wenn er früh entdeckt wird.

 

Fakt 4: Es gibt keine Schutzimpfung gegen Hepatitis C

Gegen Hepatitis A und Hepatitis B gibt es seit vielen Jahren wirksame Schutzimpfungen. Anders bei Hepatitis C: Hier konnte trotz wiederholter Bemühungen bisher keine wirksame Schutzimpfung entwickelt werden. Dies hat mit den Eigenschaften des Virus zu tun: Es scheint – anders als bei Hepatitis A und B – keine natürliche Immunität gegen Hepatitis C zu geben. Zudem ist das Hepatitis-C-Virus sehr wandlungsfähig, was eine Immunität zusätzlich erschwert. Selbst wenn Betroffene das Glück haben, eine Infektion in den ersten Monaten von selbst auszuheilen – laut WHO immerhin ein Drittel – sind diese nicht gegen erneute Ansteckungen immun. Antikörper gegen Hepatitis C scheinen nicht auszureichen, um vor einer erneuten Infektion zu schützen. Man kann sich immer wieder mit Hepatitis C anstecken, wobei diese Infektion dann wieder genauso gut heilbar ist wie beim ersten Mal. Ob es eines Tages einen schützenden Impfstoff auch gegen Hepatitis C geben könnte, bleibt abzuwarten.

Menschen mit Hepatitis C sollten sich aber mit einer Impfung vor anderen Infektionen schützen, insbesondere gegen Hepatitis A und B. Wenn Leberkranke sich mit weiteren Hepatitisviren anstecken, gerät die bereits kranke Leber zusätzlich unter Beschuss. Hier können schwere Entzündungsreaktionen auftreten und in einigen Fällen sogar ein lebensgefährliches Leberversagen.

 

Fazit

Das Motto des Welt-Hepatitis-Tages ist „Lass uns Klartext reden“. Bei Hepatitis C bedeutet das, die Infektion weder zu dramatisieren noch zu verniedlichen – und zu behandeln, wenn sie entdeckt wird. Hepatitis C hat heute viel von ihrem damaligen Schrecken verloren. Im Alltag wird die Infektion nur selten übertragen und ist heute fast immer mit sehr wenig Nebenwirkungen heilbar. Eine Gefahr stellt das Virus aber immer noch für Menschen dar, die nichts von ihrer Infektion ahnen oder eine Therapie seit Jahren vor sich herschieben: Hier drohen gefährliche Spätfolgen, die durch eine heilende Therapie oft vermeidbar sind.

 

Über den Welt-Hepatitis-Tag

Der Welt-Hepatitis-Tag findet jährlich am 28. Juli statt und klärt über Virushepatitis auf. Der Tag wird global von der World Hepatitis Alliance koordiniert und ist von der Weltgesundheitsorganisation seit 2010 als offizieller WHO-Gesundheitstag anerkannt. In Deutschland ist die Deutsche Leberhilfe e.V. Ausrichter des Aktionstages.

Weitere Informationen zum Welt-Hepatitis-Tag finden Sie auf der deutschen Webseite www.welthepatitistag.info sowie der internationalen Webseite www.worldhepatitisday.org.

 

Über die Deutsche Leberhilfe e.V.

Die Deutsche Leberhilfe e.V. wurde 1987 von engagierten Patienten gegründet und ist bundesweit tätig. Der gemeinnützige Verein hat sich als Informationsschnittstelle zwischen Ärzten und Leberpatienten etabliert und verfolgt das Hauptziel, mit Informationen zu Lebererkrankungen Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Die Leberhilfe ist in Deutschland Ausrichter des Welt-Hepatitis-Tages.

 

Kontakt für Pressefragen

Deutsche Leberhilfe e.V.
Krieler Str. 100
50935 Köln

V.i.S.d.P.: Ingo van Thiel, Redaktion
lebenszeichen@leberhilfe.org, Tel. 0221/2829991

Patientenanfragen:
Tel. 0221/2829980
info@leberhilfe.org
www.leberhilfe.org