Zurück
09.07.26

Hepatitis C ist heute einfach heilbar.
Warum sterben Menschen weiter daran?

Pressemeldung der Deutschen Leberhilfe e.V. zum Welt-Hepatitis-Tag

Köln, 9. Juli 2026. Hepatitis C ist eine der großen Erfolgsgeschichten der Medizin. Während die Infektion früher schwer behandelbar war, kann sie heute bei fast allen Betroffenen mit einer kurzen Tablettentherapie geheilt werden. Frühere Therapien mit Interferon-Spritzen führten im Erfolgsfall zwar auch zur Heilung, waren jedoch langwierig, hatten belastende Nebenwirkungen und führten seltener zum Erfolg. Heutige Medikamente sind besser verträglich, können nebenbei im Alltag eingenommen werden und führen meist in zwei bis drei Monaten zur Heilung.

Umso drängender ist die Frage: Warum erkranken und sterben weiterhin Menschen an den Folgen einer Hepatitis-C-Infektion, die oft vermeidbar oder behandelbar wäre?

Dies liegt vor allem am stillen Verlauf der Erkrankung. Eine kranke Leber schmerzt nicht, und auch Hepatitis C verursacht oft jahrelang keine eindeutigen Beschwerden. Möglich sind unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Gelenkbeschwerden, die oft nicht direkt an die Leber denken lassen. Häufig wird die Infektion erst sehr spät entdeckt, wenn bereits eine Zirrhose oder Leberkrebs entstanden ist.

Die Weltgesundheitsorganisation will die Virushepatitis bis 2030 als öffentliche Gesundheitsbedrohung eliminieren. Damit ist nicht gemeint, dass jede einzelne Infektion weltweit verschwindet. Ziel ist vielmehr, Neuinfektionen, schwere Folgeerkrankungen und Todesfälle durch Prävention, Testung und Behandlung deutlich zu senken. Deutschland hat sich diesem Ziel mit der BIS2030-Strategie angeschlossen.

Ein wichtiger Schritt in Deutschland ist das Hepatitis-B- und -C-Screening im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung: Krankenversicherte ab 35 Jahren können sich einmalig auch auf beide Hepatitis-Infektionen untersuchen lassen, die heute gut behandelbar sind. Das Screening hat dazu beigetragen, unerkannte Infektionen früher zu finden – insbesondere bei Menschen der Allgemeinbevölkerung, die sich keines Ansteckungsrisikos bewusst waren. Wenn ein positiver Test erfolgt, wissen viele Menschen in der Allgemeinbevölkerung nicht mehr, wo sie sich vor Jahren oder Jahrzehnten infiziert haben könnten. Vermutlich liegt dies an vergessenen Blutkontakten in der Vergangenheit: Blutprodukte vor 1991, Hygienemängel bei ärztlichen Eingriffen, Piercings, oder Tätowierungen oder – bei Hepatitis C seltener – Infektionen bei der Geburt oder Sexualkontakten.

Ein solches Screening der Allgemeinbevölkerung allein reicht aber nicht aus: Denn Hepatitis C betrifft besonders häufig Gruppen, die vom regulären Gesundheitssystem oft schlechter erreicht werden. Dazu gehören vor allem Menschen in der Drogenszene oder in Haft, ohne Obdach oder mit Migrationshintergrund, die nur eingeschränktem Zugang zur medizinischen Versorgung haben. Insbesondere für die Drogenszene zeigt die aktuelle DRUCK-Studie des Robert Koch-Instituts, wie groß der Handlungsbedarf ist: In den untersuchten Städten hatte die Mehrzahl der Menschen mit intravenösem Drogenkonsum eine aktive oder durchgemachte Hepatitis-C-Infektion. Einige Betroffene erinnerten sich noch an einen positiven Hepatitis-C-Test in der Vergangenheit, wussten aber nicht, ob sie aktuell noch ansteckend waren. Andere gaben an, keine sichere Anlaufstelle für eine Therapie zu haben.

Vermeidbare Risiken bleiben gerade bei Drogenkonsum ein Problem: Hepatitis C ist nicht nur über gemeinsam benutzte Spritzen und Nadeln übertragbar, sondern auch über Filter, Löffel, Wassergefäße oder Röhrchen zum Sniefen, wenn daran kleinste Blutspuren haften. Dringend benötigt werden sterile Konsum-Utensilien, verständliche Informationen, regelmäßige Tests und schnelle Wege in die Therapie – auch in Haftanstalten, Drogenhilfen und Substitutionseinrichtungen.

Beispiele aus anderen Ländern zeigen, wir gut gezielte Strategien gegen Hepatitis C funktionieren können. Vorgestellt wurden diese im Mai auf dem europäischen Leberkongress EASL in Barcelona. In England wurden die Test- und Behandlungsangebote in Gefängnissen über Jahre systematisch verbessert: neu Inhaftierte lassen sich seitdem deutlich öfter testen, während aktive Infektionen rückläufig sind. In Kroatien besuchen mobile Teams die Gefängnisse, bieten eine Kombination aus Beratung, Hepatitis-C-Tests und weiteren Leberuntersuchungen an und vermitteln Betroffene zu einer Behandlung. In Spanien und Portugal werden Migrantinnen und Migranten durch dezentrale Angebote in Gemeinden, von Nichtregierungsorganisationen und mobilen Einrichtungen erreicht. Frankreich prüft wiederum Modelle, bei denen schnelle molekulare Diagnostik direkt in Sucht- und Gefängniseinrichtungen eine Behandlung ohne lange Verzögerung ermöglichen soll.

Hepatitis C ist heute fast immer heilbar. Genau deshalb sollte alles darangesetzt werden, dass künftig niemand mehr an einer unerkannten oder unbehandelten Infektion sterben muss. Wenn Deutschland das Eliminationsziel 2030 der WHO erreichen will, muss Hepatitis C früher gefunden, konsequenter behandelt und besonders dort gesucht werden, wo Menschen bisher zu oft übersehen werden.

Deutsche Leberhilfe e.V.

 

Quelle: Abschlussbericht des Robert-Koch-Instituts zur DRUCK-Studie, 1. Februar 2026:  https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Sexuell-und-durch-Blut-uebertragene-Krankheiten/DRUCK-Studie/Abschlussbericht.pdf?__blob=publicationFile&v=1

 

Was ist der Welt-Hepatitis-Tag?

Der Welt-Hepatitis-Tag findet jährlich am 28. Juli statt und klärt die Öffentlichkeit über Prävention, Diagnose und Behandlung von Virushepatitis auf. Seit 2010 ist der Awarenesstag ein offizieller Gesundheitstag der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die World Hepatitis Alliance organisiert den globalen Welt-Hepatitis-Tag, in Deutschland ist die Deutsche Leberhilfe e.V. der Ausrichter. Laut aktuellen WHO-Schätzungen im Global Hepatitis Report 2026 lebten im Jahr 2024 weltweit 240 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis-B-Infektion, davon 12 Millionen mit einer Koinfektion von Hepatitis B und D. 47 Millionen lebten mit einer chronischen Hepatitis-C-Infektion. 1,3 Millionen Menschen verstarben an den Folgen einer meist chronischen Virushepatitis. Das Motto des Welt-Hepatitis-Tages lautet in Deutschland wie im Vorjahr „Lass uns Klartext reden“ – angelehnt an das internationale Motto „Let’s break it down“. Über die Ansteckung und Behandlung von Hepatitisviren kursieren viele Irrtümer. Dies kann zu Stigmatisierung von Betroffenen führen und dazu, dass diese sich nicht rechtzeitig um eine Diagnose bzw. Behandlung bemühen. Hepatitis-Infektionen sind heute gut behandelbar, führen aber lange zu keinen eindeutigen Symptomen und werden oft erst spät erkannt. Unbehandelt können chronische Hepatitisinfektionen zu Zirrhose und Leberkrebs führen. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung können dieses Risiko senken und zudem verhindern, dass andere Personen sich anstecken. Krankenversicherte ab 35 Jahren haben die Möglichkeit, sich in Deutschland einmalig kostenfrei auf Hepatitis B und C untersuchen zu lassen. Der Test wird darüber hinaus auch bei Risikofaktoren empfohlen und meist erstattet, wie z.B. bei erhöhten Leberwerten.

 

Wer ist die Deutsche Leberhilfe e.V.?

Die Deutsche Leberhilfe e.V. wurde 1987 von engagierten Patienten gegründet. Der gemeinnützige Verein ist bundesweit tätig und hat sich als Informationsschnittstelle zwischen Ärzten und Leberpatienten etabliert. Die Leberhilfe verfolgt als Hauptziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, indem sie Patienten und ihre Angehörigen berät und Informationsschriften in verständlicher Sprache herausgibt. Ein weiteres Ziel des Vereins ist, die Bevölkerung über mögliche Ursachen, Verlauf, Therapie und Verhütung von Leberkrankheiten zu informieren. Langfristig soll dies dazu beitragen, Vorurteile zu entkräften und den schlechten Ruf der Lebererkrankungen als „selbstverschuldete” Krankheiten zu verbessern. In diesem Rahmen ist die Leberhilfe in Deutschland Ausrichter des Welt-Hepatitis-Tages. Der Verein wird von einem ehrenamtlichen Vorstand geleitet und hat in Köln seine Geschäftsstelle, die mit erfahrenen Mitarbeitern besetzt ist. Bei medizinischen Fragen wird die Leberhilfe von einem wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Dieser besteht aus namhaften Fachärzten und Wissenschaftlern, die die Richtigkeit, Aktualität und Seriosität der medizinischen Informationen gewährleisten.

 

Informationen zum Welt-Hepatitis-Tag:

Deutsche Webseite:                                    www.welthepatitistag.info
Flyer zu Hepatitis A bis E:                          www.welthepatitistag.info/download.html
Internationale Webseite:                           www.worldhepatitisday.org/
WHO Global Hepatitis Report (2026): https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/6f6caedc-37a0-49ee-a02a-df9c3b78ff42/content

 

Kontakt:

Deutsche Leberhilfe e.V.
Krieler Str. 100 – 50935 Köln
www.leberhilfe.org
info@leberhilfe.org
Tel.: 0221/2829980