Welt-Hepatitis-Tag: „Lass uns Klartext reden“ – Hepatitis ist nicht gleich Hepatitis
Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli 2026
Köln, 16.07.2026. Der Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli steht auch in diesem Jahr unter dem Motto „Lass uns Klartext reden“. Über Hepatitis wird nicht gerne gesprochen – und wenn doch, halten sich viele Irrtümer.
Heute sind fünf Hepatitisviren bekannt: Hepatitis A, B, C, D und E. Gemeinsam ist ihnen vor allem eines: Sie können eine Entzündung der Leber verursachen, also eine Hepatitis. Manche Neuinfektionen heilen von selbst aus, andere können chronisch werden. In vielen Punkten unterscheiden sich die Viren jedoch deutlich – etwa bei den Übertragungswegen, beim Krankheitsverlauf, bei der Behandlung und bei der Vorbeugung. Vielen Menschen ist das nicht bewusst, sodass die verschiedenen Hepatitisviren häufig miteinander verwechselt werden.
Ein häufiger Irrtum ist, dass alle Hepatitis-Viren auf die gleiche Weise übertragen werden. Das stimmt nicht: So werden Hepatitis A und E meist über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser aufgenommen. Hepatitis B, C und D werden dagegen vor allem durch Blut oder bestimmte Körperflüssigkeiten übertragen.
Hepatitis D nimmt dabei eine Sonderstellung ein, da dieses Virus nur gemeinsam mit einer Hepatitis-B-Infektion auftreten kann – dann aber die Krankheit verschlimmert.
Auch der Verlauf einer Infektion ist je nach Virus sehr unterschiedlich. Hepatitis A wird nicht chronisch und heilt fast immer folgenlos aus und, kann jedoch für Menschen mit Lebererkrankungen und ältere Menschen gefährlich werden.
Hepatitis E verläuft meist ebenfalls unkompliziert, kann aber mitunter unerwartete Komplikationen verursachen. So kann eine Infektion zu länger anhaltenden Nervenschäden führen, zum Beispiel zu Taubheitsgefühlen, Schmerzen oder sogar Lähmungen. Bei Menschen mit Lebererkrankungen und bei Schwangeren ist ein Leberversagen möglich; bei Menschen mit Immunschwäche kann die Infektion chronisch verlaufen.
Insbesondere Hepatitis B, C und D können chronisch verlaufen. Eine kranke Leber verursacht oft lange keine Beschwerden oder nur unspezifische Symptome wie Müdigkeit oder Gelenkschmerzen. Bleiben diese Infektionen über Jahre unerkannt und unbehandelt, drohen schwerwiegende Spätfolgen wie Leberzirrhose oder Leberkrebs.
Die gute Nachricht: Heute gibt es gute Möglichkeiten, sich vor Hepatitis zu schützen oder eine Infektion zu behandeln. Gegen Hepatitis A und B stehen wirksame Schutzimpfungen zur Verfügung. Die Hepatitis-B-Impfung schützt gleichzeitig auch vor dem Hepatitis-D-Virus.
Auch für Menschen, die bereits mit Hepatitisviren infiziert sind, haben sich die Behandlungsmöglichkeiten mittlerweile deutlich verbessert.
Für Hepatitis C gibt es zwar keine Impfung, dafür kann die Infektion mit heutigen Medikamenten fast immer in kurzer Zeit geheilt werden. Die Heilung ist dann dauerhaft. Mittlerweile haben sich fast alle Hepatitis-C-Selbsthilfegruppen in Deutschland aufgelöst, nachdem die noch lebenden Mitglieder virusfrei wurden.
Chronische Hepatitis B lässt sich mit antiviralen Medikamenten oft gut kontrollieren. Eine „Heilung“ ist dagegen nur selten möglich und bei Hepatitis B auch nicht vollständig, weil das Virus sein Erbmaterial in den Leberzellen hinterlässt. Bei einer späteren Immunschwäche, zum Beispiel während einer Chemotherapie, kann eine früher durchgemachte Hepatitis-B-Infektion wieder aktiv werden. An wirksameren Hepatitis-B-Therapien wird weiter geforscht.
Auch für Menschen mit Hepatitis D gibt es inzwischen wirksame Behandlungsmöglichkeiten.
Hepatitis E ist nur selten behandlungsbedürftig, kann aber in schweren Fällen ebenfalls medikamentös therapiert werden.
Ebenso hartnäckig wie die Viren selbst sind manche Mythen: So glauben viele Menschen, dass jede Hepatitisinfektion wie Hepatitis A durch Toiletten oder Alltagskontakte übertragen werde. Andere befürchten, sich durch Hepatitisimpfungen „anzustecken“. Das ist unmöglich, denn es handelt sich um Totimpfstoffe. Ein weit verbreiteter Irrtum ist auch, dass Hepatitis C „unheilbar“ sei. Bei Hepatitis E denken viele, es handele sich nur um eine Reisekrankheit aus tropischen Ländern. Tatsächlich ist Hepatitis E das häufigste Hepatitisvirus in Deutschland und kann zum Beispiel durch rohes Schweinefleisch wie Schweinemett übertragen werden.
Solche Missverständnisse können unnötige Ängste schüren und andererseits dazu führen, dass echte Ansteckungsrisiken unterschätzt werden.
Da chronische Hepatitis-Infektionen oft über viele Jahre keine oder nur unspezifische Beschwerden verursachen, bleiben sie ohne gezielte Tests häufig unentdeckt. Eine rechtzeitige Diagnose kann jedoch schwere Leberschäden verhindern und ermöglicht heute in vielen Fällen eine wirksame Behandlung.
Der Welt-Hepatitis-Tag erinnert deshalb daran, Klartext zu reden: Hepatitis ist nicht gleich Hepatitis. Wer die Unterschiede kennt, kann sich besser schützen, Vorurteile abbauen und dazu beitragen, dass Infektionen früh erkannt und behandelt werden.
Deutsche Leberhilfe e.V.
Was ist der Welt-Hepatitis-Tag?
Der Welt-Hepatitis-Tag findet jährlich am 28. Juli statt und klärt die Öffentlichkeit über Prävention, Diagnose und Behandlung von Virushepatitis auf. Seit 2010 ist der Awarenesstag ein offizieller Gesundheitstag der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die World Hepatitis Alliance organisiert den globalen Welt-Hepatitis-Tag, in Deutschland ist die Deutsche Leberhilfe e.V. der Ausrichter. Laut aktuellen WHO-Schätzungen im Global Hepatitis Report lebten im Jahr 2024 weltweit 240 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis-B-Infektion, davon 12 Millionen mit einer Koinfektion von Hepatitis B und D. 47 Millionen lebten mit einer chronischen Hepatitis-C-Infektion. 1,3 Millionen Menschen verstarben an den Folgen einer meist chronischen Virushepatitis.
Das Motto des Welt-Hepatitis-Tages lautet in Deutschland wie im Vorjahr „Lass uns Klartext reden“ – angelehnt an das internationale Motto „Let’s break it down“. Über die Ansteckung und Behandlung von Hepatitisviren kursieren viele Irrtümer. Dies kann zu Stigmatisierung von Betroffenen führen und dazu, dass diese sich nicht rechtzeitig um eine Diagnose bzw. Behandlung bemühen. Hepatitis-Infektionen sind heute gut behandelbar, führen aber lange zu keinen eindeutigen Symptomen und werden oft erst spät erkannt. Unbehandelt können chronische Hepatitisinfektionen zu Zirrhose und Leberkrebs führen. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung können dieses Risiko senken und zudem verhindern, dass andere Personen sich anstecken. Krankenversicherte ab 35 Jahren haben die Möglichkeit, sich in Deutschland einmalig kostenfrei auf Hepatitis B und C untersuchen zu lassen. Der Test wird darüber hinaus auch bei Risikofaktoren empfohlen und meist erstattet, wie z.B. bei erhöhten Leberwerten.
Wer ist die Deutsche Leberhilfe e.V.?
Die Deutsche Leberhilfe e.V. wurde 1987 von engagierten Patienten gegründet. Der gemeinnützige Verein ist bundesweit tätig und hat sich als Informationsschnittstelle zwischen Ärzten und Leberpatienten etabliert. Die Leberhilfe verfolgt als Hauptziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, indem sie Patienten und ihre Angehörigen berät und Informationsschriften in verständlicher Sprache herausgibt. Ein weiteres Ziel des Vereins ist, die Bevölkerung über mögliche Ursachen, Verlauf, Therapie und Verhütung von Leberkrankheiten zu informieren. Langfristig soll dies dazu beitragen, Vorurteile zu entkräften und den schlechten Ruf der Lebererkrankungen als „selbstverschuldete” Krankheiten zu verbessern. In diesem Rahmen ist die Leberhilfe in Deutschland Ausrichter des Welt-Hepatitis-Tages. Der Verein wird von einem ehrenamtlichen Vorstand geleitet und hat in Köln seine Geschäftsstelle, die mit erfahrenen Mitarbeitern besetzt ist. Bei medizinischen Fragen wird die Leberhilfe von einem wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Dieser besteht aus namhaften Fachärzten und Wissenschaftlern, die die Richtigkeit, Aktualität und Seriosität der medizinischen Informationen gewährleisten.
Informationen zum Welt-Hepatitis-Tag:
Deutsche Webseite: www.welthepatitistag.info
Flyer zu Hepatitis A bis E: www.welthepatitistag.info/download.html
Internationale Webseite: www.worldhepatitisday.org/
WHO-Infos zur Hepatitis A: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hepatitis-a
WHO-Infos zur Hepatitis B: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hepatitis-b
WHO-Infos zur Hepatitis C: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hepatitis-c
WHO-Infos zur Hepatitis D: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hepatitis-d
WHO-Infos zur Hepatitis E: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hepatitis-e
Kontakt:
Deutsche Leberhilfe e.V.
Krieler Str. 100 – 50935 Köln
www.leberhilfe.org
Patientenberatung: info@leberhilfe.org, Tel.: 0221/2829980
Redaktion (V.i.S.d.P. Ingo van Thiel): lebenszeichen@leberhilfe.org, Tel. 0221/2829991